VdS Fachgruppe DARK SKY
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Was ist Lichtverschmutzung?

Lichtverschmutzung (aus dem engl. Light Pollution) bezeichnet die Aufhellung des Nachthimmels durch künstliche Lichtquellen, deren Licht in der Atmosphäre gestreut wird.

Es geht also nicht um eine Verschmutzung des Lichtes an sich, sondern natürliches Licht wird durch künstliches verschmutzt. So kann künstliches Licht zum Beispiel den Anblick des Sternhimmels behindern oder uns gar unmöglich machen, wie es in Ballungsräumen heute bereits der Fall ist. Häufig ist auch von Lichtsmog die Rede.

Ein Lesebeispiel mag dies illustrieren:

Diese Schrift wirkt wie Sterne vor aufgehelltem Himmel und ist kaum lesbar. Die gleiche Schrift ist vor dunklem Hintergrund viel besser lesbar!

Dabei rührt ein großer Teil der Lichtverschmutzung von schlecht konstruierten oder ineffektiv installierten Lichtquellen und ist ohne negative Folgen, z. B. hinsichtlich der Verkehrssicherheit, vermeidbar.

Gelegentlich wird argumentiert, dies stelle nur für ein paar Astronomen ein Problem dar und Maßnahmen zur Begrenzung der Lichtverschmutzung seien daher nicht von Interesse. - Das ist UNSINN!

Die Aufhellung des Nachthimmels hat weitreichende ökologische Konsequenzen und selbst die Folgen für die Astronomie dürfen von Niemandem unterschätzt werden:

Ein Ausschnitt der Milchstraße über Kreta. Zum Vergleich (bei Rollover) aus einer mittelgroßen Stadt in Deutschland fotografiert
Ein Teil der Milchstraße, aufgenommen unter dunklem Himmel auf Kreta...
Foto: Jürgen Linder
  • Die Betrachtung des Sternhimmels gehört zu den ältesten Kulturgütern der Menschheit.
  • Früher war die Beschäftigung mit dem Sternhimmel notwendig zur Bestimmung der Zeit und zur Erstellung von Kalendern.
  • Die Entdeckung neuer Länder und Kontinente wäre ohne Sternkunde nicht möglich gewesen.
  • Und heute: Die professionelle Astronomie stellt einen wichtigen Teil der physikalischen Grundlagenforschung dar, da am Himmel Beobachtungen von Vorgängen möglich sind, die wir im Labor nicht nachstellen können. Kommunikation, Navigation und unser Wissen vom Kosmos, dies alles wäre letztlich ohne die Astronomie nicht möglich!
  • Die Hobbyastronomie bietet für viele junge Menschen einen ersten begeisternden Zugang zu den Naturwissenschaften.

Die professionelle Astronomie hat sich schon heute mit Ihren Einrichtungen und Instrumenten in entlegenste Gebiete der Erde oder gar in den Weltraum zurückgezogen, was in den meisten Fällen mit einem erheblichem Mehr an Aufwand und Kosten verbunden ist. Der "Nachwuchs" ist dazu oft nicht in der Lage.

Lichtverschmutzung und Ökologie

Es wird viel über Umweltschutz diskutiert. Umwelt wird dabei im Wesentlichen definiert als Luft, Boden und Wasser. Doch betrifft dies auch das Licht, den Himmel?
Wir meinen ja, denn der effizientere Einsatz von Licht kann zum Beispiel dazu beitragen, Strom zu sparen und damit die Emission von CO2 zu reduzieren.

Doch die Aufhellung des Nachthimmels hat auch direkte Konsequenzen für Mensch und Natur, denn das Leben auf der Erde hat sich in Jahrmillionen an den Rhythmus von Helligkeit und Dunkelheit, angepasst:

  • Tagaktive Tiere sowie Menschen brauchen die Dunkelheit zum Schlafen, Entspannen und Regenerieren.
  • Nachtaktive Tiere brauchen sie für die Nahrungssuche und manche (z. B. Glühwürmchen) sogar für die Fortpflanzung.
  • Pflanzen benötigen den Rhythmus für die Photosynthese.

Unser Leben mag heute ohne künstliches Licht nicht mehr vorstellbar sein, doch muss deshalb Alles in einem endlosen 24-Stunden-Tag erleuchtet werden?

Die Gesetzgebung in Deutschland

Insofern ist es verständlich, dass auch der Gesetzgeber in Deutschland Lichtimmission bereits als Problem ansieht. Licht zählt zu den im Bundesimmissionsschutzgesetz (BImschG) erfassten Immissionen. Schädliche Umwelteinwirkungen liegen dann vor, wenn sie "[...] nach Art, Ausmaß oder Dauer geeignet sind, Gefahren, erhebliche Nachteile oder erhebliche Belästigungen für die Allgemeinheit oder die Nachbarschaft herbeizuführen."(§3 BImschG).
Zum Schutz des Menschen hat der Länderausschuss für Immissionsschutz eine "Richtlinie zur Messung und Beurteilung von Lichtimmissionen" veröffentlicht, die jedoch nicht auf die Belange des Naturschutzes eingeht.
Verbindliche Grenzwerte zur Lichtimmission stehen daher noch aus.

VdSDie Fachgruppe DARK SKY der Vereinigung der Sternfreunde hat sich das Ziel gesetzt, über die Problematik aufzuklären sowie Denkanstöße zu geben, wie wir den Blick auf den nächtlichen Sternhimmel verbessern können, ohne dabei auf Komfort oder Sicherheit verzichten zu müssen.

Leiter der Fachgruppe:
Dr. Andreas Hänel
Tel.: 0541-56003-26
E-Mail:

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